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Stabiler Strom mit der Kraft des Wassers

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Die Energiewende und der damit einhergehende Umbau des Energiesystems ist seit den Beschlüssen in Bundestag und Bundesrat im Sommer unstrittig. Über die Folgen für die Bürger und den Industriestandort Deutschland wird hingegen noch heftig gerungen.

Dabei konzentriert sich die Debatte auf den erforderlichen Ausbau der Netze, den Zubau von Gaskraftwerken oder dem beschleunigten Ausbau von Offshore-Windparks. Um nicht falsch verstanden zu werden, all dies sind wichtige Themen, um für die Umsetzung der ehrgeizigen Energiewende, der sich Deutschland verschrieben hat, Lösungen zu finden. Einer für den Umbau des Energiesystems wichtige Energiequelle, die Wasserkraft, wird in der öffentlichen Wahrnehmung dabei aber viel zu wenig Bedeutung beigemessen. In einem Energiesystem, dass zukünftig immer stärker von fluktuierenden Energiequellen, wie Wind und Sonne abhängt, steht die Sicherstellung der Stromversorgung vor großen Herausforderungen. Die Wasserkraft kann hier durch ihre gute Vorhersagbarkeit einen stabilisierenden Beitrag leisten. Die wichtigsten Beiträge der Wasserkraft für den Systemumbau zeigen sich aber erst, wenn man die Standorte und Funktionen der bestehenden Wasserkraftwerke in die Betrachtung mit einbezieht.


Überwiegender Teil der Wasserkraftwerke in Süddeutschland

In den mehr als 7000 Wasserkraftwerken mit ihren ca. 4500 Megawatt installierter Leistung in Deutschland werden jährlich im Durchschnitt 20 Terrawattstunden CO2-freier Strom erzeugt. Da die Wasserkraft dort am effizientesten genutzt werden kann, wo das Wasser möglichst ganzjährig große Höhendifferenzen durchfließt, liegt der überwiegende Teil der Wasserkraftpotenziale in Bayern und Baden-Württemberg, d. h. genau in den Bundesländern, die von der Stilllegung der Atomkraftwerke am stärksten betroffen sind. Der Anteil der Wasserkraftnutzung könnte sogar noch verdoppelt werden, wenn alle technischen Potenziale genutzt würden. Nach einer Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums sind zumindest 25 Prozent dieses Potenzials von 5 Terrawattstunden, dies entspricht dem Verbrauch von 1,25 Millionen Haushalten, auch unter ökologischen Kriterien nutzbar. Vor diesem Hintergrund ist es sehr bedauerlich, dass bei der Verabschiedung der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) im Rahmen der Energiewende die Chance nicht genutzt wurde, dieses verfügbare und zur Systemsstabilität beitragende Wasserkraftpotenzial beschleunigt zu erschließen. Hinzu kommt, dass seit vielen Jahren in die Modernisierung bestehender Anlagen kaum investiert wurde, sodass durch die schleichende Effizienzverschlechterung in Verbindung mit dem Konzessionsablauf bis 2030 sogar das Wegbrechen von bis zu 8 Terrawattstunden droht. Hier ist es dringend geboten, dass die Politik diese Gefahr erkennt und entsprechende Maßnahmen ergreift, um den Ersatz-, Modernisierungs- und Umbaustau schnell zu beseitigen.


Pumpspeicherkraftwerke einzig verfügbare Stromspeicheroption

Pumpspeicherkraftwerke sind der zweite oft unterschätzte Beitrag der Wasserkraft für eine stabile Stromversorgung. Sie stellen die derzeit leistungsstärkste Speichertechnologie für elektrischen Strom dar, die zudem seit Jahren im harten Alltagseinsatz erprobt ist. Die eingesetzten Turbinen können innerhalb von Minuten im Generatorbetrieb Wasser aus einem hochgelegenen Speichersee in Strom umwandeln oder aber im Pumpbetrieb Wasser aus einem Reservoir in den Speichersee hoch pumpen. Da sich die Zahl der Wechselzyklen in den letzten Jahren deutlich erhöht hat, hat hier eine Umbau- und Modernisierungswelle eingesetzt. Aber auch der Neubau von Anlagen, wie das von den Schluchseewerken geplante Projekt in Atdorf, wird derzeit vorangetrieben. Die Energiewende wird nur gelingen, wenn für die fluktuierenden, d. h. schwankenden Stromerzeugungstechnologien, Lösungen zur Systemintegration gefunden werden. Wäre dies selbst für sehr kurze Zeitspannen nicht der Fall, drohen Stromausfälle bis hin zum Zusammenbruch von Teilen des europäischen Stromnetzes. Deutschland hat seit langem eines der stabilsten und sichersten Stromnetze, damit es auch in Zeiten der Energiewende so bleibt, spielen die technischen Eigenschaften der Wasserkraftanlagen eine wichtige Rolle.

Bildquelle : Fotolia © Oliver Weber

Krieger, Gerd-Dieter
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